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2. September 2026
Aktualisiert am 2. September 2026

Wenn es um Hygienestandards bei Berufskleidung geht, wird häufig zuerst über die Art der Wäsche gesprochen. Für Auditoren ist jedoch eine andere Frage entscheidend: Können Sie nachweisen, dass die Aufbereitung den Anforderungen Ihrer Branche entspricht?
Ob Lebensmittelbetrieb, Pflegeeinrichtung oder Reinraumbetrieb: Im Audit zählt nicht der Ort der Wäsche, sondern die Nachweisbarkeit des Hygienestandards. Genau hier unterscheiden sich Eigenwäsche, Mischformen und externe Textil-Services.
Stellen Sie sich vor, zwei Betriebe nutzen nahezu identische Berufskleidung. Beide wechseln ihre Kleidung regelmäßig, beide legen Wert auf Hygiene und beide bestehen darauf, dass ihre Mitarbeitenden sauber gekleidet arbeiten.
Dennoch können sich im Audit unterschiedliche Bewertungen ergeben. Der Grund liegt meist nicht in der Kleidung selbst, sondern in der Frage, wie die Aufbereitung organisiert wird und ob sich die Einhaltung des geforderten Hygienestandards nachvollziehbar nachweisen lässt.
Genau hier unterscheiden sich Eigenwäsche, Mischformen und externe Textilservices. Die Kleidung bleibt ähnlich, die Anforderungen bleiben gleich – doch Verantwortung, Dokumentation und Audit-Risiken verteilen sich unterschiedlich.
Bei der Eigenwäsche organisiert der Betrieb die Aufbereitung selbst. Dazu gehören nicht nur die Reinigung der Kleidung, sondern auch die Dokumentation der Abläufe und die Sicherstellung der geforderten Standards.
Typische Stärken
vollständige Kontrolle über die Prozesse
schnelle Anpassungen im eigenen Betrieb möglich
keine Abhängigkeit von externen Dienstleistern
Typische Audit-Risiken
Nachweise müssen vollständig selbst geführt werden
Wechselrhythmen müssen dokumentiert werden
Aufbereitungsstandards müssen nachvollziehbar belegt werden
Verantwortlichkeiten liegen vollständig im Betrieb
Ein typisches Beispiel aus dem Alltag:
Die Berufskleidung wird regelmäßig gewaschen und wirkt sauber. Im Audit stellt sich jedoch die Frage, ob die Aufbereitung auch nachvollziehbar dokumentiert wurde und den geforderten Standard erfüllt.
Gerade im Lebensmittelbereich kommt der dokumentierten und kontrollierten Aufbereitung eine besondere Bedeutung zu. Die DIN 10524 stellt Anforderungen an hygienisch abgesicherte und nachvollziehbare Prozesse. Solche standardisierten Abläufe lassen sich in professionellen Wäschereien in der Regel leichter nachweisen als bei einer Aufbereitung im privaten Haushalt (vgl. DIN 10524:2020-06).
Auditanforderungen bei Eigenwäsche: Je mehr Aufgaben im eigenen Betrieb verbleiben, desto mehr Nachweise müssen intern organisiert und dokumentiert werden.
Bei einer hybriden Lösung übernimmt der Betrieb einen Teil der Aufgaben selbst und lagert andere aus. Die Aufbereitung erfolgt über einen Dienstleister, die Ausgabe der Kleidung übernimmt aber weiterhin der Betrieb. Im Audit funktioniert das grundsätzlich gut. Kritisch wird es dort, wo nicht eindeutig nachvollziehbar ist, welcher Teil des Prozesses durch wen dokumentiert wird.
Typische Stärken
flexible Gestaltung der Prozesse
einzelne Bereiche können entlastet werden
bestehende Strukturen bleiben erhalten
Typische Audit-Risiken
Zuständigkeiten sind aufgeteilt
Nachweise kommen aus unterschiedlichen Quellen
Schnittstellen müssen dokumentiert werden
Im Audit entsteht häufig folgende Situation:
Der Betrieb kann einen Teil der Prozesse belegen, für andere Schritte ist ein externer Partner verantwortlich. Dann muss klar erkennbar sein, wer welche Aufgabe übernimmt und wie die Dokumentation zusammengeführt wird.
Auditanforderungen bei einer hybriden Lösung: Je stärker sich Betrieb und Dienstleister die Aufgaben teilen, desto wichtiger werden klare Zuständigkeiten und eine nachvollziehbare Dokumentation der Schnittstellen.
Beim externen Textil-Service werden Aufbereitung und Dokumentation überwiegend durch den Dienstleister organisiert. Anbieter wie Mewa sind dabei eine von mehreren möglichen Lösungen.
Typische Stärken
standardisierte Prozesse
strukturierte Dokumentation
definierte Abläufe für Wechsel und Aufbereitung
Nachweise können zentral bereitgestellt werden
Für viele Betriebe liegt die größte Stärke nicht in der Wäsche selbst, sondern darin, dass Wechselprozesse, Aufbereitung und Dokumentation bereits in festen Abläufen organisiert sind. Gerade in Branchen mit hohen Hygieneanforderungen kann dies die Vorbereitung auf Audits erleichtern, weil Prozesse und Dokumentation systematisch organisiert werden.
Typische Audit-Risiken
Abstimmungen mit dem Dienstleister bleiben erforderlich
interne Prozesse müssen weiterhin eingehalten werden
Betriebe sind an bestehende Abläufe und Servicezyklen gebunden
Ein Dienstleister ersetzt deshalb nicht automatisch die eigene Verantwortung. Auch bei einem externen Service muss der Betrieb die relevanten Nachweise im Audit vorlegen können.
Auditanforderungen bei einem externen Textil-Service: Je stärker Aufbereitung und Dokumentation standardisiert organisiert sind, desto geringer fällt der interne Nachweisaufwand häufig aus.
Die drei Modelle unterscheiden sich im Audit selten durch die Kleidung selbst. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie einfach sich der geforderte Hygienestandard nachweisen lässt.
Interessanterweise unterscheiden sich die drei Modelle weniger bei der Kleidung selbst als bei der Nachweisführung. Diese hygienischen Anforderungen bleiben grundsätzlich gleich:
geeignete und saubere Arbeitskleidung (Verordnung (EG) Nr. 852/2004)
definierte Wechselrhythmen (BfR, 2024; KRINKO)
nachvollziehbare Aufbereitung (DIN 10524:2020-06)
dokumentierte Prozesse
Die entscheidende Frage lautet nicht: Wer übernimmt die Wäsche? Sondern: Wie wird ein nachvollziehbarer, dokumentierter und kontrollierbarer Aufbereitungsprozess nachgewiesen?
Je klarer Prozesse, Verantwortlichkeiten und Dokumentation geregelt sind, desto einfacher lässt sich der geforderte Hygienestandard im Audit nachvollziehbar darstellen.
Denken wir zurück an die beiden Betriebe vom Anfang: Beide nutzen ähnliche Berufskleidung. Beide legen Wert auf Hygiene. Beide möchten die Anforderungen ihrer Branche erfüllen. Trotzdem kann die Bewertung im Audit unterschiedlich ausfallen. Der Grund liegt meist nicht in der Kleidung selbst, sondern darin, wie die Aufbereitung organisiert wird und wie einfach sich der geforderte Hygienestandard nachweisen lässt.
Genau hier setzen die drei Modelle unterschiedliche Schwerpunkte:
Bei der Eigenwäsche liegt die Verantwortung vollständig im eigenen Betrieb.
Bei hybriden Lösungen werden Aufgaben und Nachweise zwischen mehreren Beteiligten aufgeteilt.
Beim externen Textil-Service werden viele Prozesse standardisiert organisiert und dokumentiert.
Keines dieser Modelle ist grundsätzlich richtig oder falsch. Entscheidend ist, ob die Anforderungen Ihrer Branche zuverlässig erfüllt und im Audit nachvollziehbar belegt werden können. Denn häufig wird nicht die Kleidung bewertet, sondern die Qualität der Prozesse dahinter.
Wenn Sie die grundlegenden Anforderungen für Lebensmittelbetriebe, Pflegeeinrichtungen und Reinraumbetriebe besser verstehen möchten, lesen Sie auch:
DIN 10524:2020-06, Lebensmittelhygiene – Arbeitsbekleidung in Lebensmittelbetrieben (Norm kostenpflichtig); verfügbar unter: https://www.dinmedia.de/de/norm/din-10524/322785942
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Hygieneregeln in der Gemeinschaftsgastronomie, 2024; verfügbar unter: https://www.bfr.bund.de/cm/350/hygieneregeln-in-der-gemeinschaftsgastronomie-deutsch.pdf
Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene; verfügbar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=celex:32004R0852
Robert Koch-Institut (RKI), KRINKO-Empfehlungen zur Basishygiene; verfügbar unter: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Krankenhaushygiene/KRINKO/Empfehlungen-der-KRINKO/Basishygiene/Basishygiene-inhalt.html