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2. Juli 2026
Aktualisiert am 2. Juli 2026

Wer Arbeitskleidung auswählt oder beschafft, sieht sich immer häufiger mit Nachhaltigkeitssiegeln konfrontiert. Eines davon ist Fairtrade – auch auf Berufskleidung taucht es inzwischen auf. Doch was steckt dahinter, und worauf kommt es für Betriebe im Alltag wirklich an?
Fairtrade ist ein international anerkanntes Zertifizierungssystem für fairen Handel. Bei Arbeitskleidung können unterschiedliche Fairtrade-Siegel zum Einsatz kommen. Im vorliegenden Kontext geht es um das Fairtrade-Baumwoll-Siegel, das sich konkret auf die verwendete Baumwolle bezieht – nicht auf das gesamte Kleidungsstück und auch nicht pauschal auf das Unternehmen.
Das bedeutet: Die Baumwolle stammt aus einem System, das soziale Standards entlang der Lieferkette festlegt, etwa für Arbeitsbedingungen und Entlohnung (vgl. Sustainable Textiles Switzerland 2030). Beim Fairtrade-Baumwoll-Siegel liegt der Schwerpunkt dabei auf dem Anfang der Lieferkette: dem Anbau und Handel der Baumwolle selbst (vgl. SHYFT Magazine).
Wichtig für die Einordnung: Das Siegel macht eine Aussage über das Material, nicht über jedes Detail der gesamten Kleidung oder alle Produktionsschritte. Damit bezieht sich die Aussage klar auf die Rohbaumwolle und nicht automatisch auf die gesamte textile Verarbeitung (vgl. Fairtrade International; SHYFT Magazine).
Für Betriebe im Handwerk und in der Industrie zählt am Ende nicht das Siegel selbst, sondern der praktische Nutzen. Typische Vorteile im Alltag sind:
Bessere Orientierung beim Einkauf
Wer Angebote vergleicht, kann schneller einordnen, worauf sich Aussagen zu Materialien beziehen und wo ihre Grenzen liegen.
Klare Argumente gegenüber Auftraggebern
In Ausschreibungen oder bei größeren Projekten werden soziale Standards zunehmend abgefragt. Ein anerkanntes Siegel kann hier als konkreter Nachweis dienen.
Mehr Sicherheit bei eigenen Aussagen
Ob im Angebot oder auf der Website: Aussagen zu Materialien lassen sich mit einem anerkannten Siegel klarer und belastbarer formulieren. Das ist ein Punkt, der auch regulatorisch an Bedeutung gewinnt (vgl. KPMG Law).
Praxisbeispiel: Arbeitskleidung im Betrieb auswählen
Ein Handwerksbetrieb mit rund 20 Mitarbeitenden möchte neue Arbeitskleidung einführen und vergleicht mehrere Anbieter. Viele Angebote werben mit Begriffen wie „fair“ oder „nachhaltig“. Bei genauerem Hinsehen wird aber schnell klar: Die Aussagen sind unterschiedlich konkret und teilweise schwer einzuordnen. Ein Teil der angebotenen Kleidung trägt das Fairtrade-Baumwoll-Siegel.
Für den Betrieb bedeutet das vor allem eines: eine bessere Vergleichbarkeit.
Er erkennt, dass sich die Aussage konkret auf die Baumwolle bezieht und auf einem anerkannten System basiert. Bei anderen Angeboten bleiben solche Aussagen allgemeiner oder sind nicht eindeutig belegt.
Die Entscheidung wird dadurch nicht automatisch einfacher, aber transparenter und nachvollziehbarer.
Das Fairtrade-Siegel steht für definierte soziale Standards rund um den Baumwollanbau und -handel. Dazu gehören unter anderem:
Mindestpreise für Baumwolle
zusätzliche Prämien für Gemeinschaftsprojekte
Vorgaben zu grundlegenden Arbeitsrechten
Maßnahmen gegen Diskriminierung
(vgl. Fairtrade Deutschland; Sustainable Textiles Switzerland 2030)
Gleichzeitig gilt: Das Siegel ist kein umfassender Nachweis für „faire Arbeitskleidung“ insgesamt. Es bezieht sich auf die Baumwolle des gekennzeichneten Produkts, nicht auf alle Materialien oder sämtliche Verarbeitungsschritte (vgl. SHYFT Magazine).
Diese Einordnung hilft, Erwartungen realistisch zu halten und Aussagen korrekt zu treffen.
In der Praxis tauchen verschiedene Siegel parallel auf. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte:
Fairtrade: faire Handels- und Sozialbedingungen beim Baumwollanbau
GOTS: ökologische Materialien und Verarbeitung
Grüner Knopf: staatliches Siegel mit sozialen und ökologischen Anforderungen
Cotton made in Africa: Initiative für Baumwollanbau in Afrika
Fair Wear Foundation: Programm für Arbeitsbedingungen (kein Produktsiegel)
Für den Einkauf bedeutet das: Ein Siegel allein beantwortet nicht alle Fragen, entscheidend ist, wofür es konkret steht.
Auch wer Berufskleidung mietet statt sie zu kaufen, kann fair gehandelte Baumwolle tragen. Das Siegel gehört zum Kleidungsstück und bleibt erhalten, solange das Stück im Umlauf ist.
Ein Beispiel aus dem Mewa-Portfolio: Die Kollektion PEAK trägt das Fairtrade-Baumwoll-Siegel. Das bedeutet, dass die darin verwendete Baumwolle aus zertifizierter Produktion stammt.
Für Betriebe heißt das:
keine Veränderung im täglichen Einsatz
gleiche Abläufe im Handling
aber eine klar definierte Materialherkunft
Ab dem 27. September 2026 gelten in Deutschland strengere Anforderungen für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen.
Für Betriebe bedeutet das:
Aussagen müssen konkret belegbar sein
Nachhaltigkeitssiegel müssen auf unabhängigen Drittzertifizierungssystemen beruhen
pauschale Aussagen ohne Einordnung können problematisch werden
(vgl. KPMG Law; BDO)
Das betrifft nicht nur Hersteller, sondern auch Unternehmen, die solche Aussagen weiterverwenden, etwa in Angeboten oder Ausschreibungen.
Fairtrade ist kein Allround-Siegel, aber ein klar definierter Baustein, der Betrieben die Einordnung leichter macht.
Im Alltag geht es dabei vor allem um eine Frage: Was kann ich an diesem Punkt wirklich sicher sagen und was nicht? Genau hier hilft das Siegel: Es macht sichtbar, wofür ein Produkt steht und wo die Grenzen der Aussage liegen.
Für Betriebe bedeutet das konkret: Sie können Arbeitskleidung besser vergleichen, Anforderungen nachvollziehbar erfüllen und ihre eigenen Aussagen sauber absichern.
Entscheidend ist dabei immer der genaue Blick: Welches Siegel gilt wofür und auf welcher Ebene?
Ist Fairtrade dasselbe wie Bio?
Nein. Fairtrade bezieht sich vor allem auf faire Handels- und Sozialbedingungen. Der ökologische Anbau wird durch andere Standards wie GOTS abgedeckt (vgl. Fairtrade Deutschland; SHYFT Magazine).
Bedeutet das Siegel, dass die ganze Kleidung fair ist?
Nein. Das Siegel bezieht sich auf den Baumwollgehalt eines gekennzeichneten Kleidungsstücks. Es ist keine Aussage über alle Materialien oder das gesamte Unternehmen (vgl. Fairtrade International; SHYFT Magazine).
Welche Mewa-Kleidung trägt das Siegel?
Im Sortiment von Mewa steht das Fairtrade-Baumwoll-Siegel für die Kollektion PEAK. Das bedeutet, dass die darin verwendete Baumwolle aus einem entsprechenden Zertifizierungssystem stammt (vgl. Fairtrade Deutschland).
Was ändert sich 2026?
Ab dem 27. September 2026 müssen Siegel- und Umweltaussagen in Deutschland konkret und belegbar sein oder auf belastbaren Umsetzungsplänen beruhen. Nachhaltigkeitssiegel müssen auf anerkannten Zertifizierungssystemen basieren. Anerkannte Siegel wie Fairtrade bleiben zulässig (vgl. KPMG Law; BDO).
Fairtrade Deutschland (2026): Nachhaltige Mode und Textilprodukte – Fairtrade-Textilstandard und Fairtrade-Baumwolle; verfügbar unter:
https://www.fairtrade.net/de-de/produkte/fairtrade_produkte/textilien.html
Fairtrade International (o. J.): Understanding the Fairtrade Labels – Bedeutung und Einsatz des Fairtrade Cotton Siegels; verfügbar unter:
https://www.fairtrade.net/ca-en/why-fairtrade/how-we-do-it/understanding-the-fairtrade-labels.html
Sustainable Textiles Switzerland 2030 (o. J.): Fairtrade Cotton Standard – Kriterien für Baumwollanbau und soziale Standards in der Lieferkette; verfügbar unter:
https://www.sts2030.ch/project/certification-fairtrade-cotton-standard-and-individual-introduction-to-the-standard/
SHYFT Magazine (2026): Was das Fairtrade-Siegel bei Textilien garantiert – Einordnung von Fairtrade Cotton und Textilstandard; verfügbar unter:
https://www.shyft-magazine.com/artikel/fairtrade-siegel-was-es-bedeutet-und-was-nicht/
KPMG Law (2026): Die EmpCo-Richtlinie und neue Anforderungen an Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel; verfügbar unter:
https://kpmg-law.de/die-empco-tritt-in-kraft-antworten-auf-die-wichtigsten-praxisfragen/
BDO (2026): EmpCo & UWG-Novelle – Anforderungen an umweltbezogene Werbeaussagen und Siegel; verfügbar unter:
https://www.bdo.de/de-de/insights/aktuelles/assurance/empco-uwg-novelle-2026