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22. Juli 2026
Aktualisiert am 3. August 2026

Viele Handwerksunternehmer verbringen Jahrzehnte damit, ihren Betrieb aufzubauen. Sie gewinnen Kunden, bilden Fachkräfte aus und schaffen Strukturen, die jeden Tag funktionieren.
Irgendwann stellt sich die Frage, was danach kommt.
Für viele Betriebe ist die größte Herausforderung dabei nicht die Steuer, der Kaufvertrag oder die Finanzierung. Schwieriger ist oft etwas anderes: Wie gelingt die Übergabe so, dass Kunden bleiben, Mitarbeitende Vertrauen behalten und der Betrieb auch nach dem Wechsel erfolgreich weiterläuft?
Genau darum geht es bei einer gelungenen Unternehmensnachfolge.
Die Zeit drängt nicht von heute auf morgen. Aber sie läuft. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks geht davon aus, dass mindestens 125.000 Familienbetriebe in den kommenden fünf Jahren einen Nachfolger suchen werden. Gleichzeitig zeigt das KfW-Nachfolge-Monitoring, dass bis Ende 2029 jedes Jahr rund 109.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolgelösung anstreben, während rund 114.000 Betriebe ihre Geschäftstätigkeit komplett aufgeben wollen. Hinzu kommt: Bereits 57 Prozent der mittelständischen Unternehmer waren 2025 mindestens 55 Jahre alt (vgl. Zentralverband des Deutschen Handwerks & KfW-Research, 2026).
Die Zahlen zeigen vor allem eines: Unternehmensnachfolge ist kein Randthema mehr. Für viele Handwerksbetriebe wird sie in den kommenden Jahren zur entscheidenden Zukunftsfrage.
Wer früh plant, hat deutlich mehr Möglichkeiten. Wer erst kurz vor dem Ausstieg beginnt, setzt sich oft unnötig unter Zeitdruck aus.
Viele denken bei Nachfolge zuerst an Notare, Steuerberater oder Kaufverträge. In der Praxis entscheidet sich der Erfolg aber meist an ganz anderen Stellen.
Ein Nachfolger übernimmt nicht nur Maschinen, Fahrzeuge und Kundenlisten. Er übernimmt einen laufenden Betrieb. Dazu gehören Dinge, die oft nirgendwo aufgeschrieben stehen:
langjährige Kundenbeziehungen
eingespielte Abläufe
Lieferantenkontakte
Erfahrungswissen aus vielen Jahren
Gerade in kleinen und mittleren Handwerksbetrieben steckt ein großer Teil dieses Wissens im Kopf des Inhabers. Deshalb ist Unternehmensnachfolge vor allem auch eine Wissensübergabe.
Kann der Betrieb am ersten Tag nach der Übergabe ohne größere Reibung weiterlaufen? Wenn die Antwort "Ja" lautet, sind meist drei Dinge gelungen:
Der Nachfolger kennt nicht nur die offiziellen Prozesse, sondern auch die Besonderheiten des Betriebs. Er weiß, welche Kunden besondere Anforderungen haben, wie kalkuliert wird und welche Lieferanten über Jahre zuverlässig gearbeitet haben.
Mitarbeitende erleben eine Übergabe oft genauso intensiv wie der Inhaber selbst. Bleiben wichtige Fachkräfte an Bord, bleibt auch ein großer Teil der Stabilität erhalten. Gleichzeitig geben vertraute Abläufe Sicherheit. Wenn der Arbeitsalltag weiterhin funktioniert und Veränderungen planbar bleiben, fällt es dem Team leichter, Vertrauen in die neue Führung aufzubauen.
Deshalb zahlt sich Offenheit häufig aus. Wer das Team früh einbindet, nimmt Unsicherheiten und schafft Vertrauen.
Kunden möchten vor allem eines: Verlässlichkeit. Deshalb bewährt sich in vielen Betrieben eine Übergangsphase, in der Alt-Inhaber und Nachfolger gemeinsam auftreten. Der neue Ansprechpartner wird eingeführt, während die bestehende Beziehung bestehen bleibt.
Für die Nachfolge gibt es nicht den einen richtigen Weg. Welches Modell passt, hängt von Familie, Team und Unternehmensgröße ab.
Das klassische Modell. Der Betrieb bleibt in Familienhand, bestehende Werte und gewachsene Strukturen bleiben häufig erhalten.
Allerdings ist dieser Weg längst nicht mehr selbstverständlich. Laut KfW fehlt bei vielen Unternehmen bereits das Interesse innerhalb der Familie. Fehlt die Bereitschaft zur Übernahme, hilft auch der beste Übergabeplan nicht weiter (vgl. KfW Research, 2026).
Oft kennen langjährige Beschäftigte den Betrieb bereits sehr gut und bringen wichtige Erfahrung mit. Alternativ kann ein externer Käufer neue Ideen und neue Perspektiven einbringen. Die größte Herausforderung liegt häufig in der Bewertung und Finanzierung des Unternehmens.
Interessant dabei: Laut einer ZDH-Sonderumfrage hatte nur etwa jeder fünfte übergabewillige Betrieb seinen Unternehmenswert überhaupt ermittelt (vgl. ZDH-Sonderumfrage).
Viele Betriebe holen sich Unterstützung durch Handwerkskammern, Nachfolgeberater oder andere Fachleute. Das schafft Struktur und verhindert, dass wichtige Themen übersehen werden.
Gleichzeitig lohnt es sich, den laufenden Betrieb möglichst einfach zu halten. Gerade während einer Übergangsphase, in der Alt-Inhaber und Nachfolger parallel arbeiten, binden organisatorische Aufgaben viel Zeit. Deshalb lohnt sich ein Blick auf wiederkehrende Abläufe, die nicht unmittelbar zur eigentlichen Übergabe beitragen.
Dazu können beispielsweise die Beschaffung, Pflege und Organisation von Berufskleidung gehören. Ein Textil-Service wie Mewa kann diesen Bereich übernehmen und so Zeit für wichtigere Themen im Nachfolgeprozess freihalten. Das ist eine von mehreren Möglichkeiten, den laufenden Betrieb während der Übergabe zu entlasten.
Welcher Weg am Ende passt, hängt von Familie, Belegschaft und Betriebsgröße ab.
Die meisten Handwerkskammern empfehlen, drei bis fünf Jahre vor dem geplanten Ausstieg mit der Nachfolgeplanung zu beginnen. Das klingt lang. In der Praxis vergeht diese Zeit oft schneller als gedacht.
Ein typischer Ablauf sieht so aus:
Unternehmenswert ermitteln und den Betrieb übergabereif machen.
Nachfolger suchen und auswählen.
Wissen und Verantwortung schrittweise übertragen.
Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten einbinden.
Rechtliche und steuerliche Fragen abschließen.
Vor allem der Wissenstransfer braucht Zeit. Ein Betrieb lässt sich nicht in wenigen Wochen erlernen.
Diese Frage stellen sich viele Inhaber früh im Prozess. Laut KfW lag der durchschnittlich angestrebte Verkaufspreis im Mittelstand zuletzt bei rund 499.000 Euro. Der Median, also der Wert genau in der Mitte aller betrachteten Unternehmen, lag bei etwa 375.000 Euro. Die KfW selbst weist darauf hin, dass es sich dabei um Abschätzungen handelt (vgl. KfW Research, 2026).
Wichtig ist die Einordnung: Diese Werte liefern eine Orientierung für den Mittelstand insgesamt. Sie sagen aber wenig über den tatsächlichen Wert eines einzelnen Betriebs aus. Eine belastbare Antwort liefert nur eine individuelle Unternehmensbewertung.
Denn am Ende entscheiden die folgenden Faktoren über den tatsächlichen Unternehmenswert:
Ertragskraft
Kundenstruktur
Mitarbeiterbestand
Spezialisierung
Marktposition
Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge entsteht nicht in den letzten Monaten vor der Übergabe. Sie beginnt Jahre vorher.
Wer Wissen rechtzeitig weitergibt, Mitarbeitende einbindet und Kunden früh mitnimmt, schafft die Voraussetzungen dafür, dass aus einem inhabergeführten Betrieb ein dauerhaft erfolgreiches Unternehmen wird.
Am Ende geht es nicht nur darum, einen Betrieb zu übergeben. Es geht darum, dafür zu sorgen, dass Kunden, Mitarbeitende und Nachfolger am ersten Tag nach der Übergabe genauso weiterarbeiten können wie am Tag davor.
Die Handwerkskammern empfehlen einen Vorlauf von drei bis fünf Jahren. Besonders der Wissenstransfer und die Einarbeitung des Nachfolgers benötigen Zeit. Eine Übergabe innerhalb weniger Monate gelingt nur selten ohne Reibungsverluste.
Je früher, desto besser. Wer drei bis fünf Jahre vor dem geplanten Ausstieg startet, hat deutlich mehr Gestaltungsfreiheit und gerät weniger unter Zeitdruck.
Mitarbeitende spielen für den Erfolg der Übergabe eine entscheidende Rolle. Bleiben wichtige Fachkräfte an Bord und wird offen kommuniziert, erhöht das die Stabilität des Betriebs erheblich.
Dokumentation hilft, ersetzt aber nicht die gemeinsame Arbeit im Betrieb. Viele Erfahrungen, Kundenbeziehungen und Abläufe werden erst im täglichen Miteinander sichtbar.
Das ist heute keine Ausnahme mehr. Dann kommen die Übergabe an Beschäftigte oder ein Verkauf an externe Nachfolger infrage.
Die von der KfW veröffentlichten Werte bieten eine Orientierung. Eine verlässliche Aussage über den eigenen Betrieb liefert aber nur eine individuelle Unternehmensbewertung.
Handwerkskammern, Berater, Steuerberater und Rechtsanwälte begleiten den Prozess. Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt von der Situation des jeweiligen Betriebs ab.
Die genannten Kaufpreiswerte von durchschnittlich 499.000 Euro und einem Median von 375.000 Euro stammen aus dem KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025. Die KfW kennzeichnet diese Werte ausdrücklich als Abschätzung. Für die Bewertung eines einzelnen Betriebs ist stets eine individuelle Unternehmensbewertung erforderlich.
Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): Betriebsnachfolge im Handwerk. Informationen zur Nachfolgesituation im Handwerk und zur Einschätzung, dass mindestens 125.000 Familienbetriebe in den kommenden fünf Jahren eine Nachfolge suchen; verfügbar unter:
https://www.zdh.de/ueber-uns/fachbereich-gewerbefoerderung/betriebsnachfolge/
KfW Research, 2026: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025. Fokus Volkswirtschaft Nr. 526 vom 9. Januar 2026 mit Kennzahlen zu Nachfolgewünschen, Geschäftsaufgaben, Altersstruktur der Inhaber sowie Unternehmensbewertungen im Mittelstand; verfügbar unter:
https://www.kfw.de/Über-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_876352.html
ZDH-Sonderumfrage „Betriebsnachfolge im Handwerk“, 2021: Ergebnisse zur Vorbereitung von Betriebsübergaben im Handwerk, unter anderem zur Unternehmensbewertung und Nachfolgeplanung.
Handwerkskammer für München und Oberbayern: Betriebsübernahme und Betriebsnachfolge. Leitfäden und Empfehlungen zur frühzeitigen Vorbereitung von Betriebsübergaben; verfügbar unter:
https://www.hwk-muenchen.de/artikel/betriebsuebernahme-74,0,7273.html