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17. Juli 2026
Aktualisiert am 17. Juli 2026

Wenn morgens zwei Leute in der Schicht fehlen, spürt das der Betrieb sofort. Aufträge müssen umgeplant werden, Kollegen springen ein und die Belastung im Team steigt. Besonders in Handwerk und Industrie lassen sich Ausfälle oft nicht einfach auffangen.
Deshalb beschäftigt viele Unternehmen nicht die Frage, wie hoch der Krankenstand statistisch ist, sondern wie sich Fehlzeiten im Alltag reduzieren lassen.
Die gute Nachricht: Nicht jede Erkrankung lässt sich verhindern. Aber Betriebe haben mehr Einfluss, als viele denken. Arbeitsbedingungen, Führung und Prävention können dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren und Beschäftigte langfristig gesund zu halten.
Der Krankenstand blieb 2024 auf einem hohen Niveau. Beschäftigte fehlten im Durchschnitt 22,3 Arbeitstage, der Krankenstand lag bei 6,1 Prozent (vgl. BKK Dachverband). Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin kommt auf vergleichbarer Datengrundlage auf 20,8 Fehltage je Arbeitnehmer und insgesamt 881,5 Millionen Ausfalltage im Jahr 2024 (vgl. BAuA).
Wer Fehlzeiten senken möchte, sollte zunächst verstehen, wodurch sie entstehen.
Die meisten Fehltage werden von drei Diagnosegruppen verursacht:
Muskel-Skelett-Erkrankungen: 20,3 Prozent aller Fehltage
Atemwegserkrankungen: 19,7 Prozent
Psychische Erkrankungen: 17,4 Prozent
Gerade Muskel-Skelett-Erkrankungen überraschen in Handwerk und Industrie kaum. Wer regelmäßig hebt, trägt, montiert oder über viele Stunden in derselben Haltung arbeitet, belastet seinen Körper täglich. Atemwegserkrankungen fallen besonders in den Wintermonaten ins Gewicht. Psychische Erkrankungen wiederum verursachen häufig besonders lange Ausfallzeiten.
Für Betriebe bedeutet das: Die größten Hebel liegen oft näher am Arbeitsalltag, als viele vermuten.
Jeder Ausfall belastet zunächst das Team. Gleichzeitig entstehen Kosten, die häufig unterschätzt werden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt die Produktionsausfälle aufgrund von Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2024 auf rund 134 Milliarden Euro. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung wird auf rund 227 Milliarden Euro beziffert (vgl. BAuA). Diese Zahlen beziehen sich auf die Gesamtwirtschaft und lassen sich nicht direkt auf einzelne Betriebe übertragen. Dennoch zeigen sie die Größenordnung.
Ein einfaches Beispiel: Fehlt ein Beschäftigter im Jahr durchschnittlich 22,3 Tage und verursacht jeder Ausfalltag Kosten von rund 250 Euro, ergibt sich eine Größenordnung von rund 5.575 Euro pro Person und Jahr (siehe methodische Anmerkung).
Der tatsächliche Betrag hängt natürlich von Branche, Tätigkeit und Betrieb ab. Die Rechnung macht jedoch deutlich, warum Prävention mehr ist als ein „weiches Thema“. Sie ist auch ein wirtschaftlicher Faktor.
Wenn über Krankenstand gesprochen wird, denken viele zuerst an Gesundheitskurse oder Fitnessangebote. Das greift zu kurz. Tatsächlich gibt es drei Bereiche, die sich gegenseitig ergänzen:
Verhaltensprävention setzt beim Einzelnen an. Dazu gehören beispielsweise Ergonomie-Schulungen, Bewegungsangebote oder Programme zu Stressbewältigung und Suchtprävention.
Der Vorteil: Der Einstieg ist vergleichsweise einfach.
Die Herausforderung: Solche Angebote wirken nur, wenn sie genutzt werden. Oft erreichen sie vor allem diejenigen, die sich ohnehin mit ihrer Gesundheit beschäftigen.
Oft liegt der wirksamste Hebel direkt am Arbeitsplatz. Müssen schwere Bauteile ständig vom Boden aufgenommen werden? Ist die Arbeitshöhe ungünstig? Lassen sich Werkstücke drehen oder Abläufe anders organisieren? Solche Belastungen betreffen jeden Beschäftigten im Betrieb. Genau deshalb wirkt Verhältnisprävention häufig besonders nachhaltig.
Dazu gehören auch saubere und funktionsgerechte Arbeitskleidung sowie geeigneter Hautschutz. Sie können helfen, haut- und infektbedingten Ausfällen vorzubeugen. Ein Textil-Service wie Mewa übernimmt die regelmäßige Aufbereitung der Kleidung und entlastet Betriebe organisatorisch. Er ist damit ein Baustein der Verhältnisprävention, nicht die alleinige Lösung.
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Führung. Gerade bei längeren Ausfällen oder psychischen Belastungen macht es einen Unterschied, wie Führungskräfte mit Beschäftigten in Kontakt bleiben und die Rückkehr begleiten.
Die DAK weist in ihrem Gesundheitsreport darauf hin, dass psychische Erkrankungen besonders lange Fehlzeiten verursachen. Umso wichtiger ist ein Umfeld, in dem Probleme früh angesprochen werden können (vgl. DAK-Gesundheit, 2025).
Führung ersetzt keine Gesundheitsmaßnahme. Sie beeinflusst aber, ob Menschen sich unterstützt fühlen und wie gut die Wiedereingliederung gelingt.
Nach einer längeren Erkrankung geht es oft nicht nur darum, wann jemand zurückkommt. Viel wichtiger ist die Frage: Was braucht diese Person, um wieder gut einzusteigen?
Genau dafür können Rückkehrgespräche wertvoll sein. Richtig geführt helfen sie dabei, Belastungen zu erkennen, offene Fragen zu klären und gemeinsam Lösungen zu finden. Ein gutes Rückkehrgespräch ist deshalb kein Kontrollinstrument, sondern ein Zeichen von Interesse und Wertschätzung.
Davon zu unterscheiden ist das betriebliche Eingliederungsmanagement. Dieses greift, wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig waren, und folgt einem eigenen gesetzlichen Verfahren. Das informelle Rückkehrgespräch ersetzt diese Pflicht nicht.
Betriebliche Gesundheitsförderung wird steuerlich unterstützt. Arbeitgeber können dafür bis zu 600 Euro pro Mitarbeitenden und Jahr steuerfrei aufwenden, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind und die Maßnahmen zusätzlich zum Arbeitslohn erbracht werden.
Wichtig dabei: Die 600 Euro sind kein Zuschuss, sondern ein steuerlicher Freibetrag.
Gefördert werden beispielsweise zertifizierte Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Dadurch lassen sich Gesundheitsangebote oft wirtschaftlicher umsetzen. Für kleinere Betriebe kann das ein unkomplizierter Einstieg sein, um erste Maßnahmen auf den Weg zu bringen.
Wer den Krankenstand senken möchte, braucht nicht sofort ein großes Gesundheitsprogramm. Oft hilft es, zunächst drei einfache Fragen zu stellen:
Wo entstehen die größten körperlichen Belastungen im Arbeitsalltag?
Welche Fehlzeiten treten immer wieder auf?
Welche Veränderung ließe sich innerhalb der nächsten vier Wochen konkret umsetzen?
Die Erfahrung zeigt: Oft sind es keine großen Programme, sondern praktische Verbesserungen im Alltag: kürzere Wege, sinnvoll organisierte Abläufe, weniger körperlich belastende Arbeitsschritte oder konsequenter Hautschutz. Solche Maßnahmen wirken häufig nachhaltiger als einzelne Gesundheitsaktionen ohne Bezug zur täglichen Arbeit.
Kein Betrieb wird seinen Krankenstand auf null senken. Darum geht es auch nicht.
Entscheidend ist, die Belastungen zu erkennen, die sich tatsächlich beeinflussen lassen. Gute Arbeitsbedingungen, ergonomische Abläufe, Führung und eine wertschätzende Begleitung nach Erkrankungen wirken oft stärker als einzelne Gesundheitsaktionen.
Wer den Krankenstand dauerhaft senken will, sollte deshalb nicht zuerst auf die Fehlzeiten schauen, sondern auf den Arbeitsalltag dahinter. Denn dort entscheidet sich, ob Belastungen reduziert, Beschäftigte entlastet und Ausfälle langfristig vermieden werden können.
Wer Fehlzeiten senken will, sollte deshalb dort ansetzen, wo Belastungen entstehen: direkt im Arbeitsalltag.
Die Beispielrechnung von 5.575 Euro ergibt sich aus 22,3 Fehltagen und einem angenommenen Tagessatz von 250 Euro. Der Tagessatz dient ausschließlich der Veranschaulichung und ist kein erhobener Durchschnittswert.
BKK Dachverband (2025): Arbeitsunfähigkeitsdaten 2024: Der Krankenstand stabilisiert sich auf Rekordniveau. Pressemitteilung vom 3. Juli 2025 mit Kennzahlen zu Krankenstand, Fehlzeiten und Diagnosegruppen; verfügbar unter:
https://www.bkk-dachverband.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/arbeitsunfaehigkeitsdaten-2024-der-krankenstand-stabilisiert-sich-auf-rekordniveau
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2025: Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit. Kennzahlen zu Ausfalltagen, Produktionsausfall und Wertschöpfungsverlust; verfügbar unter: https://www.baua.de/DE/Themen/Monitoring-Evaluation/Zahlen-Daten-Fakten/Kosten-der-Arbeitsunfaehigkeit
DAK-Gesundheit, 2025: DAK-Gesundheitsreport 2025. Analyse der Fehlzeiten und Krankheitsursachen in Deutschland; verfügbar unter:
https://www.dak.de/presse/bundesthemen/gesundheitsreport
Einkommensteuergesetz (EStG), § 3 Nr. 34: Steuerliche Förderung betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen; verfügbar unter:
https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__3.html
Sozialgesetzbuch V (SGB V), § 20b: Betriebliche Gesundheitsförderung; verfügbar unter:
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__20b.html
Sozialgesetzbuch IX (SGB IX), § 167: Betriebliches Eingliederungsmanagement; verfügbar unter:
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__167.html