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10. Juni 2026
Aktualisiert am 11. Juni 2026

Die Übergabe eines gastronomischen Betriebs passiert nicht nebenbei. Sie läuft oft über Monate oder sogar mehrere Jahre parallel zum Tagesgeschäft. In dieser Zeit geht es nicht nur um Verträge und Zahlen, sondern vor allem darum, dass der Betrieb weiter funktioniert: Das Team bleibt, die Abläufe greifen und die Stammgäste fühlen sich weiterhin gut aufgehoben.
Dieser Beitrag zeigt, worauf es dabei ankommt – mit praktischen Checklisten und den wichtigsten Punkten für eine gut vorbereitete Übergabe.
Einen gastronomischen Betrieb zu übergeben, passiert nicht von heute auf morgen. Oft zieht sich dieser Schritt über mehrere Jahre, während der Betrieb ganz normal weiterläuft. Dabei geht es nicht nur um Zahlen. Es geht um Menschen im Team, um feste Abläufe und um Gäste, die sich an vieles gewöhnt haben. All das muss auch nach der Übergabe funktionieren.
Wie angespannt die Ausgangslage aktuell ist, zeigt der DIHK-Report: Im Gastgewerbe kommen auf einen Interessenten mehr als fünf Betriebe. In der Praxis bedeutet das: Selbst gut laufende Betriebe finden nicht automatisch eine Nachfolge.
Unternehmensnachfolge in der Gastronomie ist deshalb mehr als ein Verkauf. Neben dem Betrieb wechseln auch das Team, Lieferantenbeziehungen und oft das Vertrauen der Stammgäste in neue Hände.
Viele Betriebe stehen vor dem gleichen Problem: Sie möchten übergeben, finden aber niemanden. Laut DIHK-Report übersteigt die Zahl der abgabewilligen Betriebe die der Interessenten deutlich. Das hat mehrere Gründe, die im Alltag spürbar sind:
Fachpersonal fehlt – auch in der Führungsebene
Investitionen stehen an, etwa in Küche oder Ausstattung
Kosten für Energie, Miete und Personal steigen weiter
Für potenzielle Nachfolger wirkt das oft wie ein hohes Risiko. Das führt dazu, dass selbst etablierte Betriebe keinen Nachfolger finden und im Zweifel schließen müssen – obwohl Nachfrage vorhanden ist.
Umso wichtiger ist es, den eigenen Betrieb so aufzustellen, dass er für Nachfolger nachvollziehbar und attraktiv wird.
Eine gute Übergabe beginnt früh, oft drei bis fünf Jahre im Voraus. Viele Schritte lassen sich dabei parallel zum Tagesgeschäft angehen.
1. Ziele klären
Soll der Betrieb verkauft oder verpachtet werden? Und wie wichtig ist es, dass er in Ihrem Sinne weitergeführt wird, etwa mit bestehenden Konzepten oder Rezepturen?
2. Unterstützung einbinden
Steuerberater und Anwalt helfen, die wichtigsten Fragen früh zu klären. Das verhindert spätere Probleme und entlastet im Alltag.
3. Betrieb aus externer Sicht betrachten
Entscheidend ist, wie ein Nachfolger den Betrieb wahrnimmt:
Sind die Zahlen verständlich aufgebaut?
Sind Abläufe klar geregelt?
Hängt viel an einzelnen Personen, etwa am Küchenchef, der alle Lieferanten kennt?
Je klarer diese Punkte sind, desto leichter lässt sich der Betrieb übergeben.
4. Nachfolge aktiv angehen
Geeignete Nachfolger ergeben sich selten von selbst. Mögliche Wege sind:
Mitarbeitende, die sich weiterentwickeln möchten
eine Übergabe innerhalb der Familie
ein externer Käufer
Ein klares Profil erleichtert die Suche.
5. Übergabe schrittweise gestalten (1–2 Jahre)
Ein fließender Übergang hat sich in der Praxis bewährt. Dazu gehören:
ein klar geregelter Vertrag
transparente Zahlungsmodalitäten
eine strukturierte Einarbeitung im laufenden Betrieb
Gerade die Einarbeitung neben dem Tagesgeschäft entscheidet darüber, ob der Betrieb später stabil weiterläuft.
Die Übernahme eines Betriebs verändert den eigenen Arbeitsalltag deutlich. Umso wichtiger ist eine realistische Vorbereitung.
1. Eigene Situation prüfen
Gastronomie bedeutet Verantwortung, lange Tage und schnelle Entscheidungen. Die Frage ist nicht nur, ob der Betrieb passt, sondern auch, ob der Alltag dazu passt.
2. Betrieb im echten Betriebsgeschehen kennenlernen
Zahlen allein reichen nicht. Entscheidend ist der Alltag:
Wie läuft ein typischer Freitagabend-Service ab?
Wie arbeitet das Team zusammen?
Wo entstehen Engpässe?
Erst hier zeigt sich, wie der Betrieb wirklich funktioniert.
3. Finanzierung sauber planen
Ein Businessplan schafft Klarheit über Investitionen, laufende Kosten und Spielräume. Das hilft auch, den Kaufpreis realistisch einzuordnen.
4. Einstieg schrittweise gestalten (1–2 Jahre)
Ein Übergang im laufenden Betrieb erleichtert vieles:
Abläufe lassen sich direkt lernen
das Team bleibt stabil
Gäste gewöhnen sich an die neue Situation
So entsteht Vertrauen – intern wie extern.
Ob eine Übergabe gelingt, zeigt sich nicht im Vertrag, sondern im täglichen Betrieb.
Kommunikation schafft Sicherheit
Wenn Mitarbeitende nicht wissen, wie es weitergeht, entsteht schnell Unsicherheit. Eine klare und frühzeitige Kommunikation hilft dabei, Vertrauen aufzubauen, im Team genauso wie bei Gästen und Lieferanten.
Kontinuität im Betrieb gibt Orientierung
Gerade Stammgäste reagieren sensibel auf Veränderungen. Wenn Abläufe, Qualität und Auftreten konstant bleiben, wird ein Wechsel oft kaum als Bruch wahrgenommen.
Auch organisatorische Details tragen dazu bei: Ein einheitliches Erscheinungsbild – etwa durch gemietete Berufskleidung – hält den Betrieb optisch konsistent und vermeidet hohe Einmalkosten. Das schafft Planungssicherheit in einer ohnehin sensiblen Phase.
Wissen sichtbar machen und weitergeben
Vieles im Betrieb ist eingespielt, aber nicht dokumentiert. Damit es auch nach der Übergabe funktioniert, muss dieses Wissen greifbar werden, zum Beispiel bei:
Rezepturen
Bestellrhythmen bei Lieferanten
Abläufe in Stoßzeiten
Nur so kann ein Nachfolger den Betrieb wirklich übernehmen, nicht nur auf dem Papier.
Idealerweise drei bis fünf Jahre im Voraus. So lassen sich Veränderungen im laufenden Betrieb umsetzen.
Die Situation ist angespannt: Laut DIHK-Report kommen mehr als fünf Betriebe auf einen Interessenten.
In der Regel Steuerberater und Anwalt. Je nach Situation kann auch eine branchenspezifische Beratung sinnvoll sein.
Das hängt von den eigenen Zielen und der finanziellen Planung ab. Eine individuelle Einschätzung ist hier entscheidend.
Durch Verlässlichkeit im Alltag: gleichbleibende Qualität, stabile Abläufe und ein Team, das Sicherheit ausstrahlt.
DIHK – Deutscher Industrie- und Handelskammertag (2024): DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2024, veröffentlicht über DEHOGA NRW am 24.07.2024; verfügbar unter: https://www.dehoga-nrw.de/newsroom/aktuelles/details/dihk-report-unternehmensnachfolge